Design-Wettbewerbe für Städte etc. sind ja schon lang gang & gäbe, mir geht es jetzt aber vor allem um Plattformen wie 99designs, designenlassen oder fiverr. Also Seiten, auf denen man für einen kleinen Betrag einen Auftrag einstellt und ein ganzer Pool an Designern Entwürfe erstellt. Bezahlt wird am Schluss nur der Entwurf den man auswählt.

Genau hier liegt auch schon mein Hauptproblem, nicht ein Designer, sondern viele Designer entwerfen. Die gezahlten Preise sind zwar auch oft problematisch, lassen sich meiner Meinung nach, aber besser nachvollziehen. Nicht jedes Startup oder jeder Gründer hat tausende von Euro übrig um sich ein Logo oder ein komplettes Corporate Design entwerfen zu lassen. Daher biete ich, genauso wie manch anderer meiner Kollegen für Startups und Existenzgründer extra Rabatte an. Ich berate potenzielle Kunden auch gerne dazu, was mit ihrem Budget überhaupt machbar ist. Bei den genannten Plattformen & vergleichbaren Anbietern gibt es für den Kunden natürlich einen großen Vorteil – viele Entwürfe für wenig Geld. Klingt erstmal gut, aber irgendwo gibt es bei solchen Angeboten eben immer einen Haken. Auch wenn hier ausnahmsweise nicht (nur) der Kunde betroffen ist.

Logos backen… Design-Wettbewerbe aus einer anderen Sicht

Bei Diskussionen zu dem Thema kommt oft irgendwann das Argument, dass die Design-Branche ja auch selber dran schuld sei bzw. der freie Markt eben so tickt – schön und gut, aber so was gibt es sonst in kaum einer Branche, daher hier mal eine kleine Metapher zu dem Thema:

Max möchte ein Brötchen kaufen, er weiß noch nicht genau was für ein Brötchen. Also geht Max zum Bäcker in seiner Straße, dort lässt er sich ein Brötchen geben, beißt rein, merkt es schmeckt ihm nicht und geht. Danach geht Max zum Bäcker in der nächsten Straße, da wiederholt sich das Ganze. Das macht Max solange, bis er einen Bäcker gefunden hat bei dem ihm das Brötchen schmeckt. Mittlerweile ist Max durch die ganze Stadt gelaufen, hat 18 Brötchen getestet und ist endlich zufrieden, er bezahlt und geht nach Hause.
Aber was machen die 17 Bäcker, bei denen Max nicht zufrieden war? Die angebissenen Brötchen können sie jedenfalls nicht mehr verkaufen…

Falls jetzt jemand auf die Idee kommt zu sagen, dass man einen Logo-Entwurf oder ein sonstiges Design noch umbauen und wiederverwenden kann – da habt ihr zwar ein Stück weit recht, aber das geht zum einen nur, wenn ein Kunde eine ähnliche Idee hat, zum anderen steht das Brötchen in der Metapher auch für die Zeit. Selbst wenn man einen sehr simplen Logo-Entwurf macht, um ihn einem Interessenten zu schicken, man benötigt immer Zeit dafür!

Design-Wettbewerb

Es geht nicht darum was der Kunde will!

Ich bin ganz ehrlich, ich habe mich schon selbst bei mehreren dieser Portale als Designer angemeldet – ja, ich habe sogar Jobs darüber bekommen. Vor allem am Anfang meiner Karriere dachte ich mir, so wie viele andere auch, dass es sicher ganz einfach ist auf diesem Weg Geld zu verdienen. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass ein wichtiger Teil meiner Arbeit darin liegt herauszufinden was mein Kunde will und was gut für meinen Kunden ist – dazwischen liegen teilweise Welten!
Bei den meisten Wettbewerben auf 99designs etc. findet man oft nur sehr kurze Beschreibungen was der Kunde eigentlich will. Da steht dann ein Firmenname, evtl. eine Branche und zusammen kopierte Marketingphrasen. Meistens in Verbindung mit 3, 4, 5 oder mehr Elementen die unbedingt Teil des Logos werden sollen.

Sehr schön war z.B. die Ausschreibung einer Anwaltskanzlei, die neben dem Namen der Kanzlei auch noch die 3 Namen der Gründer und ein Wappen wollte. Das Ganze mit Bezug zur Stadt in der sich die Kanzlei befindet, das Ganze natürlich im Flatdesign. Auch hier gab es wieder zig Entwürfe, dabei wäre es sicher hilfreich gewesen, gemeinsam mit den Entscheidern das Briefing zu überarbeiten – wobei das natürlich schwierig wird, bei einem gewünschten Preis, der gerade so dreistellig war.

Es geht doch darum was der Kunde will!

Der Kunde will aber nicht unbedingt ein wahnsinnig tolles, neues Logo – er will mehr verkaufen. Zumindest ist das wahrscheinlich so gut wie immer die Motivation für ein neues Design. Das heißt im Umkehrschluss, dass der Designer sowohl den Auftraggeber, dessen Produkt oder Dienstleistung als auch den Endkunden verstehen sollte. Design-Wettbewerbe bringen dabei niemanden weiter. Da reichen fünf Zeilen Briefing auf irgendeiner Internetseite eben nicht aus. Das müssen leider noch viele Auftraggeber, aber auch viele Designer lernen…

6 Kommentare
  • Andrea Baitz
    Antworten

    Hallo, ich bin gerade auf deinen Artikel aufmerksam geworden und finde ihn sehr gut geschrieben!

    Du beleuchtest gut das eigentliche Problem dieser Seiten, nämlich das die Designer Zeit investieren (die sie auch in andere Aufträge stecken könnten) und meist nicht bezahlt bekommen. Mal abgesehen von den Preisen, die die Arbeit, Erfahrung und das Talent in keinster Weise wiederspiegeln und honorieren.
    Ich habe mich selbst auch auf diesen Seiten umgesehen und kurz überlegt ob ich da mitmache. Aber im Endeffekt ist es sinnvoller die Zeit in seine bestehenden Kunden zu stecken, eigene Akquise zu betreiben oder zu netzwerken. Das stellt sich als nachhaltiger heraus, als ein Logo für 5€ zu entwerfen (übetrieben gesagt).

    Die Meinung musste ich jetzt loswerden 🙂

    Liebe Grüße von einer Designerkollegin aus Eckernförde!

    • Stefan Bühler
      Antworten

      Hallo Andrea,

      vielen Dank für deinen Kommentar, in Eckernförde hab ich sogar schon mehrfach Halt gemacht 😉

      Ich kann dir nur recht geben, meiner Meinung nach ist es sinnvoller mit Qualität als auch sinnvoller Beratung zu überzeugen. Nicht jeder Kunde braucht das große komplett-Paket, das wird aber wahrscheinlich niemand sagen bei den verschiedenen genannten Portalen.

      Viele Grüße aus Esslingen,
      Stefan

  • Irina Wittmann
    Antworten

    Hallo Stefan!

    Dein Blog ist sehr interessant, du schreibst über viele Themen, die mich interessieren!
    Seit Juli bin ich Teil einer neuen Plattform, bei der es nicht darum geht, dass Freelancer jeglicher Fachrichtung – aber am ehesten betrifft es wohl tatsächlich die Designer und Grafiker – sich auf Projekte bewerben. Bei uns suchen die Unternehmen selbst den Freelancer, der am besten zu den Anforderungen passt. Alles weitere besprechen sie dann mit dem Auserwählten direkt.
    Wir wollen Freelancer und Unternehmen direkt miteinander in Kontakt bringen. Denn so wie die meisten von uns sicherlich ihr Hotel online ganz einfach buchen, so können Unternehmen mit wenigen Klicks gleich die Freelancer aussortieren, die nicht den Anforderungen entsprechen.
    Würde mich freuen, wenn du mal bei uns vorbeischaust und mir deine Meinung und dein Feedback dazu dalässt: http://www.freelance-pages.com.

    Viele Grüße und weiter so!
    Irina

    • Stefan Bühler
      Antworten

      Hallo Irina,

      danke für die Antwort, ich bin gespannt wie ihr das löst. Gibt ja durchaus schon einige Plattformen in dem Bereich, ich persönlich bin bisher mit keiner so richtig warm geworden. Falls ihr da mal Rückmeldung aus Sicht des Freelancers wollt, meld dich einfach.

      Beste Grüße aus Esslingen (von einem Ex-Tübinger),
      Stefan

      • Irina
        Antworten

        Hi Stefan,

        cool, danke für deine schnelle Antwort! Wäre stark, wenn du demnächst Zeit für ein Feedback hast – so von Tübinger zu Tübinger 🙂 Du kannst mich auch anrufen: 07071 257 0055

        Wünsch‘ dir einen schönen Abend!
        Irina

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