Nachdem ich in dieser Woche schon die 3te E-Mail bekommen habe ob ich mir nicht Fans für meine Facebook Seite kaufen will widme ich mich heute diesem Thema.

In jeder der Mails wurde großspurig damit geworben, dass es sich um das einzige Unternehmen handelt bei dem es echte Fans zu kaufen gibt die sich aktiv am Geschehen auf der eigenen Seite beteiligen. Keine Fake-Accounts, keine einmalige Klick-Aktion oder Ähnliches sondern echte Menschen.
Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass es ja gar keine Rolle spielt ob die Fans aktiv und real sind oder nicht, eine hohe Zahl an “Gefällt mir”-Angaben ist doch wahnsinning toll und wichtig.
Nein – ist es nicht! Wichtig sind Fans die Interesse an Ihrem Unternehmen haben, die sich für den Content interessieren und möglicherweise Ihre Seite oder Inhalte teilen weil Sie sich damit identifizieren.

Hier die wichtigsten Aspekte weshalb sich das Ganze nicht lohnt!

1. Die Fans sind nicht echt.

Echte Fans interagieren mit Ihrem Unternehmen, nicht nur ein “Gefällt mir” bei der Seite zählt sondern auch aktive Interaktion. Es gibt zwar reale Personen die gegen Bezahlung Seiten liken, jedoch ist von diesen keine Interaktion zu erwarten. Desweiteren sind die meisten gekauften Fans einfach Fake-Accounts hinter denen sich eine Software verbirgt.

2. “Je mehr Fans desto mehr Umsatz”

Dieses Zitat stammt aus einer der drei E-Mails – aber warum sollen gekaufte Fans die kein Interesse an Ihrem Unternehmen haben und wahrscheinlich auf Fake-Accounts basieren Ihren Umsatz steigern?
Selbst die wirtschaftliche Bewertung von realen Fans ist sehr schwer und kann je nach Branche/Produkt/Engagment sehr unterschiedlich ausfallen. Solche eine pauschalisierte Aussage ist also schlichtweg falsch – desweiteren haben gekaufte Fans auch kein Interesse an Ihren Produkten oder Dienstleistungen.

3. Rechtliche Probleme

Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt in dem Video, dass gekaufte Fans für Unternehmen auch rechtlich kritisch werden können. Gekaufte Fans können z.B. wie gekaufte Meinungsäusserungen als Wettbewerbsverstoß angesehen werden.

4. “Erst ab 1.500 Fans wächst Ihre Seite selbständig”

Schon seit langer Zeit wird diese Zahl regelmässig weiterverbreitet – dazu sollte man jedoch anmerken, dass Wachstum und Reichweite einer Seite hauptsächlich auf Interaktion basieren – nicht auf der Anzahl der Fans.
Es gibt Seiten mit 10.000 Fans und einem sehr geringen Interaktionswert, bei diesen Seiten wird wahrscheinlich auch nur ein kleiner Anteil der Fans die Inhalte der Seite bewusst wahrnehmen.
Im Gegensatz dazu gibt es aber auch Seiten mit wenigen hundert Fans die eine enorm hohe Interaktionsrate haben was automatisch zu einer höheren Sichtbarkeit führt.

Auch in diesem Fall gilt also wieder, pauschalisierte Aussagen und Bewertungen muss man mit Vorsicht genießen.

5. Der Image Schaden

Ihre echten Fans werden schnell erkennen, wenn Sie Facebook Fans gekauft haben. Dafür gibt es verschiedene Anzeichen, z.B. wenn innerhalb von kurzer Zeit die Fanzahl um einen hohen Wert steigt. Vor allem seit man bei Facebook Seiten in einen Teil der Statistiken Einsicht bekommt lässt sich dies sehr schnell und einfach herausfinden.
Desweiteren haben vor allem gekaufte Fans mit Fake-Accounts oft seltsame Benutzernamen, keine Profilbilder und interagieren nicht mit der Seite.

Besonders bei größere Unternehmen, Parteien oder Prominente führt der Kauf von Facebook-Fans (oder auch Twitter Followern o.ä.) zu einem Image-Verlust wenn die echten Fans oder sogar die Presse darauf aufmerksam wird.
Dafür gab es in den letzten Jahren genügend bekannte Beispiele.

6. Facebook mag keine gekauften Fans

Dieser Punkt mag zwar banal klingen, doch Facebook erkennt gekaufte Fans und Fake-Accounts mittlerweile sehr gut, diese werden dann oft schnell gelöscht. Somit war der Kauf der Fans vollkommen sinnlos – unter Umständen kann Facebook aber auch härter durchgreifen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen – Fans kaufen lohnt sich nicht, investieren Sie die Zeit und das Geld lieber in besseres Community-Managment!

8 Kommentare
  • Matthias Schultze
    Antworten

    Klasse Artikel,

    wie blauäugig viele sind, stelen wir immer wieder fest. Welches langfristige Ziel damit verfolgt wird, kann mir jedoch keiner sagen. „Kaufen Sie niemals Fans, um in der Social-Media-Welt erfolgreich zu sein – Der Schuss geht voll nach hinten los“ prädigen wir immer wieder.

    Liebe Grüße aus Hannover sendet,

    Matthias Schultze

    • Stefan Bühler
      Antworten

      Vielen Dank für den netten Kommentar, ich sehe das genauso wie Sie und muss auch Ihrem Artikel voll und ganz zustimmen!

      Leider wird die Thematik oft heruntergespielt oder schön geredet, wobei es natürlich noch bedeutend dubiosere Möglichkeiten gibt sich selbst gut darzustellen oder die Konkurrenz in ein schlechtes Licht zurücken.
      Auch auf diese Themen werde ich in Zukunft hier genauer eingehen.

      Mit besten Grüßen,
      Stefan Bühler
      Beratungspuzzle

  • Jens
    Antworten

    Und wo ist der Unterschied zum Kauf von Backlinks? Mal in die Google Richtlinien geschaut? Wirklich lustig wie immer über den kauf von Fans geredet wird, und am Ende werden fleißig „Sponsored Posts“ gekauft im Internet 🙂

    • Stefan Bühler
      Antworten

      1. Sponsored Posts =/= gekaufte Backlinks – diese müssen nämlich als solche gekennzeichnet werden und werden bei seriösen Anbietern im Normalfall auch mit No-Follow Links ausgestattet.
      2. Google ist, ähnlich wie Facebook mit gekauften Fans, mittlerweile ganz gut darin gekaufte Backlinks zu erkennen, dem entsprechend kann das zu Abstrafungen im Ranking führen. Vielleicht nicht heute, aber wahrscheinlich morgen. Das es ein Verstoß gegen die Richtlinien ist, ist ebenfalls klar, würde ich also nicht machen und auch nicht empfehlen.
      3. Nur weil viele Backlinks verkauft werden/wurden ist das ja noch kein Pro-Argument für den Kauf von Fans. Nur weil viele Menschen im Bus schwarz fahren, muss ich ja nicht in der Bahn schwarz fahren 😉

      Man kann natürlich dafür argumentieren, dass man mit mehr Fans auch schneller neue Leute erreicht usw., das ändert aber nichts an meiner Meinung – auch wenn das nicht zu dem Geschäftsmodel von Socialnow passt. Ich habe schon mehrere Seiten kennen gelernt, die für gekaufte Fans gesperrt worden sind, in einem Fall sogar bei einem Fremdkauf – das ist ein Risiko und das Geld kann man auch in Ads stecken.

  • Jens
    Antworten

    1. Schau mal in die zahlreichen Facebook Gruppen und Plattformen (Rankseller, Ranksider usw) wo ich massig Artikel kaufen kann ohne Kennzeichnung und mit Dofollow. Handeln die nun alle rechtswidrig?

    2. Wer glaubt das seine Seite ausschließlich durch Content. Und ohne künstlich erstellte Backlinks nach vorne kommt, der glaubt auch an den Nikolaus.

    3. Wieso vergleichst du Schwarz fahren mit dem Kauf von Likes & Co? Der Vergleich hinkt.

    Wir hatten in 5 Jahren Socialnow – 2 Videos und 1 Fanpage die gesperrt wurden. Warum? Weil rechtswidrige Inhalte eingestellt wurden. Nicht wegen der Belieferung durch uns:)

    PS: Mal zufällig NTV angehabt um die Mittagszeit? Dort laufen die ganze Zeit nur Reportagen (Paid) von irgendwelchen Startups / etc und die kennzeichnen auch nichts. Das zum Thema Kennzeichnung 🙂

    BG

    Jens

    • Stefan Bühler
      Antworten

      Hi Jens,

      zu 1. darüber hatte ich es mal mit einem befreundeten Anwalt der sich auf Online-Recht spezialisiert hat – kurz gesagt, ja – der Großteil davon handelt rechtswidrig. Es gibt nur in den meisten Fällen keinen Kläger.

      Zu 2. natürlich nicht, aber man kann eben auch entsprechend der jeweiligen Richtlinien per Google AdWords, Facebook Ads usw. Aufmerksamkeit generieren. Das gutes Marketing nicht umsonst ist sollte klar sein, ich persönlich gebe mein Geld dann lieber für Ads in den jeweiligen Plattformen aus. Durch genaue Zielgruppen-Bestimmung kann man auch hier recht preiswert gute Erfolge erzielen.

      Zu 3. nun, nach der Auffassung von Facebook widerspricht der Kauf von Fans den Facebook eigenen Richtlinien, genauso wie schwarz fahren den Richtlinien der Bahn etc. widerspricht. Du relativierst den Fankauf, da ja auch Sponsored Posts gekauft werden mit DoFollow und nicht gekennzeichnet sind. Nur weil andere etwas falsch machen gleicht das aber nicht aus, dass man selbst auch gegen Richtlinien verstößt. Dem entsprechend finde ich meinen Vergleich durchaus passend, die Deutsche Bahn wird sich sicher auch nicht damit zufrieden geben, wenn ich sage „im Bus fahren auch alle schwarz“. Mit den Konsequenzen muss ich dann eben leben.

      Schön für euch bei Socialnow – da hattet ihr wohl Glück, wie gesagt, ich kenne sogar den Fall bei dem für eine fremde Seite Fans gekauft worden sind um diese dafür zu melden. Das war für den Betreiber der die Seite seit mehreren Jahren nutzte mit einigen tausend Fans natürlich nicht sehr angenehm.

      Zu deinem Beispiel mit NTV zur Mittagszeit, in Stuttgart gibt es ein riesiges Plakat von Audi auf dem Werbung für ein Auto gemacht wird, ohne Angaben von Verbrauchswerten usw. – damit wird eindeutig gegen geltendes Recht verstoßen. Trotzdem hängt es seit einiger Zeit dort, solange sich niemand darüber beschwert wird das auch sicher so bleiben. Aber auch hier, richtig ist es deswegen noch lange nicht.

      Beste Grüße,
      Stefan

  • Jens
    Antworten

    Zu 1. Ist das Thema Kennzeichnung aus deiner Sicht wirklich ausreichend geklärt vor Gericht? Habe in Erinnerung das es da viele Unwägbarkeiten etc gab/gibt 🙂

    Zu 2. Dein Ernst? Du willst eine Webseite nur durch Fb Ads /Adwords nach vorne bringen? Sorry das ist realitätsfremd! Und wer soll das ernsthaft bezahlen? 🙂

    Zu 3. Die „Facebook AGB“ sind also gleichzusetzen mit der „Erschleichen von Leistungen §265a“ (Was schwarzfahren nun mal ist)?! Ich sagte doch dein Vergleich hinkt!
    Ob der Kauf von Likes einen Wettbewerbsverstoß festellt, ist im übrigen noch nicht eindeutig geklärt. Siehe: https://drschwenke.de/ist-der-fankauf-rechtlich-doch-zulaessig-neue-ansichten-und-umfrage/

    Ich kann auch Spamlinks kaufen und gegen die Konkurrenz einsetzen, oder negative Bewertunen etc pp. Wo ist der Unterschied? Aus diesem Grund verkaufen wir zb keine Dislikes. Ich denke über das Thema lässt sich endlos diskutieren. Aber schön das es auch noch Leute gibt mit denen man auch anständig über sowas diskutieren kann!

    • Stefan Bühler
      Antworten

      Zu 1. das Thema Kennzeichnung ist sicher noch nicht endgültig geklärt, es gibt aber jetzt bereits viele Dinge die gekennzeichnet werden müssen und trotzdem verstoßen selbst große Player regelmäßig dagegen 😉

      Zu 2. habe da erst vor kurzem an einem Projekt mitgearbeitet – von 0 auf täglich ca. 500 Besucher, mehrere tausend Facebook Fans usw., sogar nur mit Facebook Ads innerhalb von 3 Monaten in einem relativ umkämpften Markt. Viel redaktioneller Inhalt hat da definitiv auch geholfen.

      Zu 3. mir ging es nicht darum, dass beides gleich zu setzen ist, mir ging es um deinen Vergleich der auf mich so gewirkt hat, als ob du den Kauf von Fans relativierst, da andere auch gegen Richtlinien verstoßen.

      Aber ja, ich gebe dir Recht, zu dem Thema kann man viel diskutieren und es freut mich auch mal die Meinung von jemandem zu hören, der selbst aus dem Branche kommt. In den meisten Fällen handelt es sich ja eher um Fan-Farmen aus Asien mit 10.000 Fans für 5,99€ – da bekommt man meistens gar keine Reaktionen.

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