An alle begeisterten Snapchat User da draussen – keine Sorge, ich will eure Lieblings-App nicht schlecht machen. Dieser Beitrag spiegelt nur meine persönliche Meinung wider und nutzt Snapchat eher als Beispiel für ein allgemeines Problem 😉

Für alle die nicht wissen was Snapchat ist gibt es hier eine kurze Erklärung: Bei Snapchat handelt es sich um eine App die es ermöglicht seinen Kontakten Fotos & Videos zu senden. Im Gegensatz zu Whatsapp etc. lassen sich aber auch alle möglichen Filter und Effekte auf die Bilder & Videos anwenden. Des Weiteren löschten sich anfangs die versendeten Dateien nach kurzer Zeit selbst, daher war die App zu Beginn dafür bekannt, dass mit ihr vor allem „schlüpfrige“ Inhalte versendet wurden. Der letzte Punkt hat sich mit der Einführung von „Memories“ jedoch geändert, seit dem 06.07.2016 verschwinden Inhalte nicht mehr einfach nach einem Tag – siehe Snapchat Blog.

Aber jetzt will ich euch verraten, warum ich Snapchat nicht mag!

Weil Snapchat, so wie jede andere neue App in dem Bereich, von jedem selbsterklärte Online-Marketing Profi in den Himmel gelobt wird und der neue Heilige Gral sein soll.
Mein Problem mit Snapchat hat also nur indirekt mit der App selbst zu tun, sondern viel mehr mit damit, dass bei jedem neuen Netzwerk versucht wird dieses zu Marketingzwecken zu nutzen. Ich kann natürlich nachvollziehen, das man sich so ein Alleinstellungsmerkmal sichern will bzw. auf möglichst vielen Kanälen potentielle Kunden erreichen möchte – aber irgendwann reicht es doch auch mal, oder?
Gerade Snapchat sehe ich hier als passendes Beispiel – der Großteil der User, vor allem in Deutschland, ist wahrscheinlich zwischen 12-25 Jahre alt. Die meisten der User haben wahrscheinlich auch noch einen Facebook Account (ich warte ja noch drauf, dass es irgendwann keine Jugendlichen mehr auf Facebook gibt…), sind bei Instagram, vielleicht auch bei Twitter und verbringen viel Zeit auf Youtube, Tumblr usw. – es gibt also wahnsinnig viele Möglichkeiten die Snapchat User ausserhalb der App zu erreichen. Trotzdem versuchen immer mehr Unternehmen bei Snapchat erfolgreich zu werden, dabei bietet die App, meiner Ansicht nach, nur wenige Möglichkeiten die sich von anderen Apps und Netzwerken unterscheiden, hat dafür aber einige Nachteile.
Um bei Snapchat erfolgreich zu sein muss man z.B. zwangsläufig über andere Kanäle auf den eigenen Snapchat Account aufmerksam machen, die „tollen“ Effekte sind auch nur selten wirklich angebracht und die Messung von Erfolgen ist aktuell auch noch sehr schwer, bedingt durch mangelnde Analyse-Tools.

snapchat

Hier mal ein kleines Praxisbeispiel aus meinem Bekanntenkreis – einem befreundeten Gastronom wollte eine Social Media Agentur vor ein paar Wochen eine Snapchat Kampagne andrehen. Dazu gehörte das Erstellen des Accounts, erste Kontakte & eine zweistündige Beratung zum „perfekten Snapchat Account“ zu einem nicht-niedrigen Preis. Auf seine Frage warum er denn zu Snapchat sollte kam die Antwort „Mit Snapchat bekommen Sie innerhalb weniger Wochen viele neue Gäste“ – als Anmerkung, es geht hier um ein hochpreisigeres Restaurant mit regionaler Küche.

Mit solchen Aussagen bringt man die Branche auf Dauer leider in Verruf, die Gründe gegen einen Snapchat-Account in diesem Fall sind meiner Ansicht nach recht einfach:

  1. Die erfolgreiche Nutzung eines Netzwerks benötigt Zeit, immer!
    Das Restaurant hat bereits eine recht hohe Auslastung, die Zeit für die Betreuung eines weiteren Netzwerks ist kaum vorhanden.
  2. Snapchat bedient die falsche Zielgruppe
    Der Großteil der Restaurantgäste sind zwischen 30-65 Jahren alt, die Übereinstimmung mit der Snapchat-Nutzerschaft ist also nicht sehr groß. Natürlich gibt es sicher auch Snapchat User in dieser Altersgruppe oder Jugendliche empfehlen das Restaurant Ihren Eltern oder gehen auch selbst dort hin, die Chance ist aber relativ gering.
  3. Erreichbarkeit der Inhalte
    Früher waren Inhalte nur 24 Stunden lang sichtbar, das ändert sich zwar mit der Einführung von Memories, dennoch ist die Erreichbarkeit der Inhalte durchaus ein Ausschlusskriterium. Gleichzeitig war das ein USP für Snapchat, dieser fehlt jetzt zumindest teilweise, ich persönlich kann diesen Schritt nur sehr bedingt nachvollziehen.
  4. Mangelnde Erfolgsmessung
    Facebook bietet schon lange eine recht gute und vor allem verständliche Analyse-Funktion aber auch für Instagram & Twitter gibt es hier einige Möglichkeiten. Eine einfache Erfolgsmessung von Snapchat ist bisher kaum möglich.
  5. Exklusivität ist nicht immer alles
    Bei Snapchat geteilte Inhalte bleiben (zumindest ist es so gedacht) bei Snapchat – doch gerade die weiteren Sharing- & Embedding-Funktionen anderer Netzwerke bieten ein großes Potential die eigene Marke bekannter zu machen.

Mein Tipp war – „lass das mit Snapchat“. Als Gastronom, der froh über jede Minute ist, die er nicht am Smartphone verbringt ist Snapchat einfach nicht das passende Medium. Mangelnde Interaktion, zu wenig Zeit & Interesse sind keine gute Basis für die Nutzung der App, dazu kommen noch die oben genannten Punkte. Das klingt jetzt zwar so, als ob er am Besten gar kein soziales Netzwerk betreuen sollte, dank eines Redaktionsplans, regelmäßiger Kontrolle & Verbreitung funktioniert Facebook aber ziemlich gut für sein Restaurant.
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Unternehmenskommunikation glaubwürdig sein sollte. Daher entscheidet auch die Person hinter dem Unternehmen direkt & indirekt darüber welches Netzwerk am besten passt und für eine erfolgreiche Online-Marketing Strategie genutzt werden sollte. Ob das dann ein twitterender Malermeister ist oder eine Instagram nutzender Hundefri­seu­rin spielt keine Rolle.

TL;DR: Kurz zusammengefasst – ich bin kein Snapchat-Gegner, aber nicht jedes Unternehmen muss auf jedem Netzwerk vertreten sein – viel wichtiger ist, dass es dabei glaubwürdig auftritt.

 

P.S.: Wer trotzdem etwas über die Nutzung von Snapchat erfahren will, dem lege ich den Blog von Christian Müller ans Herz der ein großer Fan von Snapchat ist 😉

2 Kommentare
  • Fred
    Antworten

    Schön geschrieben. Dem Post kann ich soweit nur zustimmen.
    Ich finde es eh erschreckend, wie alle Firmen gerade meinen, dass ein neues Netzwerk der Heilsbringer ist.
    Die meisten Unternehmen sind auf Facebook und Twitter präsent, die behäbigen auf Instagram und die early adopter jetzt auf Snapchat.
    Auch dass jedes Netzwerk unterschiedlich bespielt werden muss (Facebook = Inhalt, Twitter = Statement/Foto, Instagram = Foto), macht Unternehmen noch mehr Arbeit.

    Und das witzige ist: Erwiesenermaßen wird ein Netzwerk dann unattraktiver für junge Menschen, wenn es von Eltern und Firmen entdeckt wird.
    Facebook ist schon lange auf dem absteigenden Ast. Von unserer Generation ist da jeder, aber die Jugendlichen bis 16 sind viel eher auf Snapchat und Instagram, als auf Facebook und Twitter.
    Ich kenne einige Menschen diesen Alters, die nicht bei Facebook sind und nie waren.

    Ach, und beim Thema „Bekanntmachung der Snapchat-Präsenz“ musste ich sofort an diese Snapchat-Profilfotos denken, die ich grauenhaft finde.
    Das Facebook- und Twitter-Profilbild als hässliche, gelbe Snapchat-Glocke, nur um den Leuten das Snapchat-Profil bekannt zu machen? Ernsthaft?

    • Stefan Bühler
      Antworten

      @Fred – vielen Dank für den Kommentar, den Aspekt des Snapchat-Profilbilds finde ich auch optisch einfach sehr störend, da gebe ich dir vollkommen recht!

      Betreffend Facebook – in einer bestimmten Altersgruppe geht die Nutzerschaft sicher zurück, das will ich gar nicht bestreiten. Aber alleine schon auf Grund der 1,7 Mrd. User wird es bei Facebook wahrscheinlich einfach deutlich länger dauern bis es „ausstirbt“.

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